Machtgefälle können Grenzen verschieben
Die ärztliche Weiterbildung ist von deutlichen Abhängigkeitsverhältnissen geprägt: Junge Ärztinnen und Ärzte sind häufig auf die Unterstützung und Bewertung ihrer Vorgesetzten angewiesen. Hinzu kommt die enge Zusammenarbeit im OP, die klare professionelle Grenzen besonders wichtig macht. In solchen Konstellationen fällt es Betroffenen oft schwer, Grenzüberschreitungen anzusprechen. „Mit dem Melden eines Vorfalls ist es häufig nicht getan, denn es folgen Konsequenzen. Der ‚Täter‘ erfährt von der Meldung und bei kleinen Teams ist dann schnell klar, wer sich beschwert hat“, kritisiert Sarah Lif Böhm, Leiterin des JFOU.
JFOU-Umfrage bestätigt Handlungsbedarf
Die Ergebnisse der anonymen JFOU-Umfrage bestätigen den Handlungsbedarf: 74,4 Prozent der Teilnehmenden gaben an, Sexismus im beruflichen Alltag erlebt oder beobachtet zu haben. Besonders häufig genannt wurden sexistische Kommentare, stereotype Geschlechterrollen, Benachteiligungen in der operativen Weiterbildung sowie Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und chirurgischer Karriere. Viele Teilnehmerinnen berichteten zudem, dass ihre fachliche Kompetenz häufiger infrage gestellt werde als die ihrer männlichen Kollegen.
Verantwortung für ein respektvolles Miteinander
Sarah Lif Böhm macht deutlich, dass ein respektvolles Miteinander alle betrifft. Und nicht nur die unmittelbar Beteiligten tragen Verantwortung: Auch Kolleginnen und Kollegen sind gefordert, hinzusehen. Sie betont dabei die Verantwortung des gesamten Umfelds: „Und wer etwas mitbekommt und nichts sagt, macht sich durch Passivität mit zum Teil des Problems. Zivilcourage gegenüber unseren Kolleginnen ist gefragt.“ Die DGOU unterstützt diese Forderungen ausdrücklich. Mit der Unterzeichnung der Charta der Vielfalt hat die Fachgesellschaft bereits ein Zeichen für Respekt, Wertschätzung und Vielfalt gesetzt.
Wie eine professionelle und klare Teamkultur aussehen sollte sowie und die Details zur JFOU-Umfrage können im Artikel „Sexismus passiert“ nachgelesen werden. (© DGOU und BVOU [2026] Published by Springer Medizin Verlag Berlin [2026]. All rights reserved.)




